»Hinter den Spiegeln – Schnäppchenjägerinnen und Rabattsammler«

Sendung vom 17. Dezember 2002
 

Inhaltsübersicht

 

Jingle »Alltag und Geschichte«

»Hinter den Spiegeln« – eine Sendung im Rahmen der Redaktion Alltag und Geschichte bei Radio Darmstadt von Niko Martin und Katharina Mann.

Ein Gedanke, zwischen zwei parallel ausgerichtete Spiegel gestellt, scheint sich ins Unendliche zu vervielfachen. – Aber was ist hinter den Spiegeln?

Zwischen unseren Spiegeln stehen heute Schnäppchenjägerinnen und Rabattsammler. Die gespiegelten Bilder zeigen Paybackkarten, Bahnfahrgemeinschaften, Kaufzwang und Kaufrausch, Internetauktionen und manches mehr.

Unser Titel – »Schnäppchenjägerinnen und Rabattsammler« – könnte glauben machen, dass wir den Drang, billigen Angeboten nachzujagen, für eine ur-alte Menschheitskonstante halten würden.
Nein, tun wir nicht.
Schon dieser Titel ist eine erste Spiegelung, denn die meisten Handelnden in unserer Gesellschaft tun so, als ob die Konstanten unserer Gesellschaftsordnung immer schon dagewesen wären – in diesem Fall: kapitalistische Wirtschaftsweise. Ebenso wäre dann auch das jeweilige Handeln der Menschen immer schon dagewesen, das unserer Gesellschaft und Wirtschaftsweise angepasst ist …
Und es immer noch »in«, menschliches Verhalten in der heutigen Zeit mit sehr weit zurückliegender Geschichte zu erklären, während die jüngere Geschichte übersprungen wird – aber das ist eine andere Sache …

 

Der Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 brachte auch ein neues Preissystem der Deutschen Bahn AG.
Bisher lohnte sich schon bei einer längeren Bahnreise die Anschaffung einer BahnCard. Denn dann konnten alle Bahn-Reisen für die Hälfte des Preises gebucht werden.
Um die Vorzüge des neuen Preissystems nutzen zu können, ist ein erhöhter organisatorischer Aufwand vonnöten.

Niko sprach mit Annette Volkens, Referentin für Bahnpolitik und Verkehrspolitik des Verkehrs Club Deutschland in Berlin, kurz VCD:

Interview mit Annette Volkens

Ein Interview mit Annette Volkens, Referentin für Bahnpolitik und Verkehrspolitik des Verkehrs Club Deutschland in Berlin.
Die genannte Mitfahrer- und Mitfahrerinnen-Börse ist im Internet zu erreichen unter: www.ticket-teilen.de.

Musik: The Ventures – Pipeline

Die Payback Karte ist ein Bonuspunkte-Sammelsystem, und zwar das größte in Deutschland. Derzeit nutzen etwa 15 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland Payback, das sind knapp 19% der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger. Dazu kommen noch unzählige Kundenkarten von anderen Anbietern oder auch andere Rabattsysteme, mit denen Geschäfte versuchen, Kundinnen und Kunden an sich zu binden.
Wir können also davon ausgehen, dass fast jeder und jede in diesem Land in irgendeiner Form Gebrauch macht von Rabatt-Angeboten.

Ansich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Geschäfte ihren Kundinnen und Kunden Rabatte einräumen. Die Praxis, dies über elektronisch einlesbare Kundenkarten zu realisieren, ist allerdings kritisch zu hinterfragen. Wie wir zeigen werden, dienen Kundenkarten zu allem Möglichen – nur nicht gerade dazu, Kundinnen und Kunden etwas zu schenken.

Payback kommt als Rabattkarte daher. Vor allem aber dient sie dazu, Daten zum Kaufverhalten von Millionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu gewinnen. Und zwar personalisierte Daten, also Daten, bei denen eine Verknüpfung hergestellt wird zwischen Konsumgewohnheiten und persönlichen Daten.
Um in den Genuss der angepriesenen Rabatte zu kommen, muss bei jedem Einkauf bei einem Payback-Partnerunternehmen die Karte vorgelegt werden. – Und schon kann die komplette Einkaufsliste mit den jeweiligen persönlichen Daten verknüpft werden.
Für dieses System hat Payback den »Big Brother Award des Jahres 2000« erhalten.

Personalisierte Daten sind deswegen so interessant, weil sie eine weit genauere Verbrauchs- und Bedarfsanalyse ermöglichen, als anonym erhobene Daten. Und – weil sie es Werbefirmen ermöglichen, potentielle Kundinnen und Kunden mit Angeboten anzusprechen, die ganz persönlich auf diese Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind.
Personalisierte Datensätze erzielen hohe Preise auf den entsprechenden Märkten.

Die Teilnahme am Payback-System ist natürlich freiwillig.

Oder doch nicht? – Denn wer keine Payback-Karte verwenden will, bekommt auch keinen Rabatt.
Wem die Privatsphäre wichtig ist, der oder die zahlt mehr für jeden Einkauf.

Aber auch sonst gilt: Es gibt nichts geschenkt. Also auch, wer sich eine Payback-Karte zulegt, bekommt nichts geschenkt. Ein Konzern, der massenhaft Rabatte gewährt, schlägt sie eben vorher auf die Preise auf.

Wenn die Besitzerinnen und Besitzer von Rabatt-Karten wirklich belohnt würden, müssten dann nicht ihre Kosten ganz entschieden gesunken sein, seit diese Programme eingeführt wurden? Aber es sagt niemand: »Hey, ich spare jetzt soviel im Vergleich zu meinen Ausgaben, bevor mein Supermarkt mir diese Karte gegeben hat.«
– Stattdessen ist nur zu hören: »Sehen Sie, wieviel ich spare gegenüber dem Preis, den mein Supermarkt den Kunden abverlangt, die nicht eintreten!«

Tatsächlich ist es eigentlich eher eine Form von Erpressung. Worum geht es den Einkaufsmärkten denn, wenn sie Rabatt-Karten ausgeben?

Sie wollen die persönlichen Daten der Kundinnen und Kunden, die diese ihnen wahrscheinlich nicht freiwillig überlassen würden.
Im Grunde sagen sie: »Wir haben dieses kleine Datensammelsystem und wir möchten, dass Sie sich freiwillig darin eintragen. Sie können natürlich Nein sagen, aber dann werden Sie etwa 15% mehr für Ihren Einkauf ausgeben.«

– Die einzige Freiwilligkeit in diesem System besteht darin, höhere Preise zu zahlen, wenn man seine persönlichen Daten nicht preisgeben will.

Allerdings sehen viele Benutzerinnen und Benutzer solcher Kundenkarten es als gar nicht besonders schlimm an, wenn ihre persönlichen Einkaufsgewohnheiten ausgewertet werden. »Warum soll ich denn geheimhalten, was ich einkaufe?«

Das gleiche könnte man auch über Telefonüberwachung sagen: »Warum soll ich denn geheimhalten, worüber ich mit meinen Freunden spreche?«
Oder wie wäre es mit einem Gerät, das Ihr Auto verfolgt? »Warum soll niemand wissen, wohin ich fahre?«
Oder eben gleich eine Kamera in Bad und Klo: »Von mir aus soll mich doch jeder nackt sehen!«

Wer sagt, er oder sie habe nichts zu verbergen, tut dies oft mit einem gewissen Glanz in den Augen und einem Finger, der anklagend auf andere zeigt. Bei dem Wunsch nach Privatsphäre geht es darum, nicht den bohrenden Blicken anderer Leute ausgesetzt zu sein.
Und es geht überhaupt nicht darum, ob jemand »etwas zu verbergen« hat oder nicht. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

Es geht ganz banal um den Schutz der Privatsphäre, die für jeden Menschen gelten sollte, egal, ob er oder sie das Geld aufbringen kann, künstlich überhöhte Preise zu bezahlen – nämlich die Rabatte, die vor der Einführung der Kundenkarten aufgeschlagen wurden.

Tatsächlich haben haben sogar schon die Gesetzeshüter in den Einkaufsdaten von Bürgerinnen und Bürgern geforscht …
Das ist dann vielleicht doch ein Grund zur Sorge. Zumindest stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Es kann wohl nicht sein, dass detaillierte und intime Informationen über Millionen von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt werden, nur aufgrund der Möglichkeit, dass einige wenige von ihnen eine Straftat begangen haben.

Die gesetzlichen Einschränkungen haben den staatlichen Behörden bisher einen sinnvollen Rahmen gesetzt, um Fälle von Beobachtung, Durchsuchung und Beschlagnahmung zu begrenzen. Wenn nun private Stellen (wie der Einzelhandel) diese Überwachungsfunktionen übernehmen, brauchen die Behörden sich nicht mehr über gesetzliche Hürden den Kopf zu zerbrechen. Lassen wir einfach die Eingriffe in die Privatsphäre von privater Seite durchführen, dann braucht es nur noch den genehmigten Zugriff auf diese Daten, um an eigentlich geschützte Informationen heranzukommen.

Mensch braucht sich nur einmal vorzustellen, einmal selbst zum Ziel einer Ermittlung zu werden.
Vielleicht ist es nur ein zivilrechtlicher Prozess, aber der Gegner hält die Einkaufsliste für ein wichtiges Beweismittel. Oder ein Ex-Ehepartner oder Ex-Ehepartnerin möchte mit diesen Daten beweisen, dass Sie Ihre Aufgaben als Vater oder Mutter vernachlässigt hätten. (Kondome? Alkohol? Häufig oder in großen Mengen? Haben Sie noch etwas vorzubringen?)
Sobald Ihre Einkaufsgewohnheiten irgendwo gespeichert sind, werden Sie wie reifes Obst, das darauf wartet, gepflückt zu werden. Damit dann vielleicht jemand mit faulen Tomaten auf Sie wirft.

Es gibt nur einen Weg, so einen Missbrauch des Einkaufsprofils zu verhindern: Überhaupt erst gar nicht zuzulassen, dass die Daten erhoben werden.

Möglicherweise funktionieren diese Programme überhaupt nur, weil es so schamlos und öffentlich getan wird. Denn was ganz offen gemacht wird, wirkt auf die meisten Menschen so, als ob es völlig in Ordnung wäre. Das ist wie bei den Geschichten von Hauseinbrüchen oder Fahrzeugdiebstählen, an denen viele Menschen vorbeigegangen sind, weil sie dachten: »Nee, das würden die nicht am hellen Tag machen!«? Die gleiche Aktivität im Geheimen, mitten in der Nacht, würde sicher zu Hunderten von Anrufen bei der Polizei führen.
Wer jetzt noch misstrauisch ist – wo doch alle Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn und Bekannten eine solche Karte haben, der oder die sucht den Fehler dann erst mal bei sich selber – und fragt sich, ob er oder sie vielleicht paranö ist.

Die Hintergrundinformationen zu den Kundenkarten habe ich vom Foebud, vom »Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.« in Bielefeld.
Dieser Verein ist es auch, der den »Big Brother Award« vergibt, also den Negativ-Preis für unangemessen Umgang mit sensiblen persönlichen Daten.

Weitere Informationen sind zu finden auf der Internetseite des Vereins unter www.foebud.org.
 

Ausschnitt aus dem Titelbild

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Musik: Gene & The Esquires – Space Race

Eine nette Geschichte, die mir meine Schwester erzählt hat – von ihrer Mitbewohnerin.
Um Weihnachten ging es da. Und die Zeit davor. Und den Stress, den eine hat mit dem Besorgen von Weihnachtsgeschenken. – Aber nicht nur Stress: Es ist ja auch eine materielle Belastung …

Tja, so vierhundert Euro würden wohl schon wieder zusammenkommen für alle die Weihnachtsgeschenke. Aber – andererseits – das Geld würde ja auch wieder reinkommen, denn etwa so viel würde sie selber auch geschenkt bekommen.

Dann ist ja alles in Butter …

 

Diese rationale Klarheit ist die eine Seite: Soviel Geld ich ausgebe für Weihnachtsgeschenke, soviel Geld kommt auch wieder herein durch Weihnachtsgeschenke.

Trotzdem ist die Vorstellung verführerisch, dass die Geschenke zu Weihnachten etwas Besonderes sind. Etwas, was das normale Level übertrifft der zwischenmenschlichen Beziehungen.
– Dass eine höhere Macht in uns hineinsehen kann und uns unsere Wünsche erfüllt.

Studentinnen und Studenten der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach haben sich aufgemacht, um dem Christkind einmal auf die Finger zu sehen.

Katharina hat gesprochen mit Professor Doktor Michael Bernecker, der das Projekt betreut hat:

Interview mit Herrn Prof. Dr. Bernecker

Katharina im Gespräch mit Professor Doktor Michael Bernecker von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

 

Sicherlich spielt das Markenbewusstsein beim Weihnachtseinkauf eine noch größere Rolle als im alltäglichen Leben. Denn hier will ich absolut auf Nummer sicher gehen …
Aber auch beim normalen, alltäglichen Einkauf von Joghurt, Milchreis, Käse, Ravioli, Fischstäbchen, Pizza oder Eis spielen Marken durchaus eine Rolle. Das ist daran zu merken, dass einem eigentlich immer sofort auch eine passende Marke dazu einfällt.

Allerdings zahlen Konsumentinnen und Konsumenten einen Preisaufschlag für dieses Marken-Image. Denn zur Herstellung eines Marken-Images braucht es neben den eigentlichen Produkten vor allem teure Werbung. Die Kosten dafür übernehmen die Konsumentinnen und Konsumenten.

Dabei schmeckt ein NoName-Produkt meistens genauso gut, wie das sogenannte »Original«. Das geben Firmen indirekt sogar zu, zum Beispiel Harald Dressler von »Frosta« bzw. »Gut-&-Billig«-Fischstäbchen: »Die Handelsmarken müssen so gut sein wie die Produkte des Marktführers. Das schreiben oft sogar die Einkaufsbedingungen des Einzelhandels vor. Bei einer Blindverkostung schmeckt niemand einen Unterschied.«

Volker Schwörer, ein Verbraucher aus Stuttgart, hat sich die Frage gestellt, die sich bestimmt schon viele gestellt haben: »Von wem werden die Lebensmittelprodukte eigentlich hergestellt, die Billig-Discounter anbieten wie zum Beispiel »ALDI«?

Wer steckt hinter dem Joghurt von »JA!«, dem Milchreis von »Mibell«, der Pizza von »Cucina« und den Fischstäbchen von »Gut & Billig«?

Die Handelsketten halten sich bedeckt, wenn es darum geht, die Hersteller ihrer Produkte anzugeben. Aber auch die Produzenten outen sich nicht. – Zumindest nicht freiwillig.

Volker Schwörer ist auf eine Informationslücke gestoßen: Hersteller von Fleisch-, Fisch- und Molkereiprodukten sind gesetzlich verpflichtet, eine Kennzeichnung auf der Verpackung zu hinterlassen.

Leider erscheint diese Kennzeichnung nicht in Klartext, sondern in Form eines ovalen Stempels. Die Angabe ist meistens dreizeilig: Zum Beispiel ein großes »D« in der ersten Zeile, in der zweiten Zeile ein »BY« und in der dritten eine Nummernfolge, hier: »718«.
Das »D« steht für Deutschland, »BY« für Bayern und die Nummer für den Betrieb, hier ist das die Müller-Molkerei.
Um das rauszufinden braucht man nicht in jedem Fall eine Liste mit den Betriebskontrollnummern. Oft reicht ein einfacher Vergleich: Denn die Stempel von Markenprodukten und NoName-Produkten sind häufig identisch.

Damit ist natürlich noch nicht gesagt, ob NoName-Produkt und Markenprodukt wirklich identisch sind. Erhellend dürfte dazu aber ein Zitat sein von Ex-ALDI-Manager Dieter Brandes – er sagt: »Die Unterschiede zwischen Original- und Handelsmarke werden künstlich erzeugt – durch andere Größen, Gewichte, Farben oder Duftnoten.«

Eine Liste mit einigen ausgetesteten NoName-Produkten und der Zuordnung zu ihren jeweiligen Herstellerbetrieben findet sich auf der Internet-Seite von Volker Schwörer unter www.lebensmittelmarken.de.

Musik: Bob Vaught & The Renegards – Surfin’ Tragedy

Ein Schnäppchen – was ist eigentlich ein Schnäppchen? Bereits 1905 erschien in Fritz Hönigs »Wörterbuch der Kölnischen Mundart« das Wort »Schnäppchen« als Synonym für billig erhaschte Ware.

 

Als Assoziation weit verbreitet zum Wort »Schnäppchen« sind inzwischen Internet-Auktionen.

Für die einen eine Möglichkeit, relativ günstig an Bücher, Elektrogeräte oder Einrichtungsgegenstände zu kommen, – für andere der pure Kitzel einer Auktion. Einer Versteigerung, die sich immer wieder zuspitzt auf den geradezu dramatischen Moment, wenn der Hammer fällt.

Im Prinzip funktionieren die verschiedenen Internet-Auktionen alle ähnlich: Wer bei einer Auktions-Plattform angemeldet ist, kann sowohl bei Auktionen von anderen mitsteigern, er oder sie kann aber auch selber Waren anbieten.
Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Auktion, fällt der Hammer nicht dann, wenn längere Zeit kein höheres Gebot eingegangen ist. – Wir erinnern uns an dieses: »Wer bietet mehr? – Zum Ersten … – zum Zweiten …«
Bei einer Internet-Auktion wird von vorneherein festgelegt, wie lange die Auktion dauert. Wer es als Letzter oder Letzte vor Schluss der Auktion noch schafft, ein höheres Gebot abzugeben, erhält den Zuschlag.

Katharina sprach mit Jutta Beuck, einer erfahrenen Nutzerin von Internet-Auktionen:

Interview mit Jutta Beuck

Katharina – im Gespräch über Internet-Auktionen mit Jutta Beuck.

Musik: The Challengers – Telstar

Jutta N verliebte sich in den Matrosen Richard S. Dem Matrosen Richard wurde nachgesagt, dass er auf Frauen eine ganz besondere Wirkung hätte. »Den Italiener« nannte man ihn.

Jutta heiratete Richard.

Nach dem Krieg (dem Zweiten Weltkrieg) zogen sie zusammen in das Wohnhaus von Juttas Eltern. Er arbeitete als Kraftfahrer und war in der ganzen DDR unterwegs.

Wir können davon ausgehen, dass er auch auf seinen Fahrten seine besondere Wirkung auf Frauen entfaltete.

Das Zusammenleben in der DDR war durch Vertrautheit und Nähe geprägt, nicht nur in den privaten und familiären Zusammenhängen, sondern zum Beispiel auch im Betrieb. Es war nichts Ungewöhnliches, dass sich zwei von einer Betriebsfeier auch einmal noch etwas privater zurückzogen …

Richard wurde Vater.

Jutta reichte die Scheidung ein. Dann machte sie aber doch einen Rückzieher. Vielleicht hatte sie Angst davor, das Leben wirklich in die eigene Hand zu nehmen.

Jutta S galt immer als adrette und gut angezogene, gepflegte Person. Und auch Richard imponierte immer noch weiter den Frauen.

Wie mag es in ihrem Inneren ausgesehen haben?

Nach dem Tod von Jutta und Richard war das Häuschen von Juttas Eltern vollgestopft mit Seife, Papiertaschentüchern, Modeschmuck, Klamotten, Handtüchern, Bettwäsche, Plastiktüten, Nippes, einzelnen Elektro-Kochplatten …
Jeder Fleck an der Wand war kaschiert mit einem Bild oder einem Sträußchen Kunstblumen.

Musik

Die Geschichte von Jutta S. aus D. ist wirklich so passiert. Gelesen hat sie uns freundlicherweise Petra Schlesinger. – Vielen Dank!

Danke auch an unsere Interviewpartnerinnen und -partner: Frau Annette Volkens vom Verkehrs Club Deutschland – VCD – in Berlin, Herr Professor Doktor Michael Bernecker von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach und Jutta Beuck, die von ihren Erfahrungen mit Internet-Auktionen berichtet hat.

Jingle Alltag und Geschichte

Sie haben gehört: »Hinter den Spiegeln« – eine Sendung im Rahmen der Redaktion Alltag und Geschichte bei Radio Darmstadt von Niko Martin und Katharina Mann.

Fragen, Anregungen und Kritik können Sie auf unseren Anrufbeantworter sprechen: (06151) 87 00-129.
Oder schreiben Sie uns eine e-Mail an looking-glass@alltagundgeschichte.de

Musik: Siouxsie And The Banshees – Hall Of Mirrors

 

Aktualisiert am 25. Juni 2003.
 

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Ausschnitt aus dem Titelbild