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Stichwort: Arbeit. Frauen machen die Drecksarbeit. Ja, sie sorgen, so stellte Anja Meulenbelt einst klar, gar fürs »Socken waschen auf kosmischem Niveau«. Soll heißen, sie flicken immer alle Löcher, die Männer reißen, familiär, wirschaftlich, politisch. Hier kommt, höchst erfolgreich, das Opfer-Selbstbild mit der Philosophie vom (eigentlich) besseren Menschen zur Deckung. Frauen werden immer in die schlecht bezahlten Berufe gedrängt mit schlechten Aufstiegschancen und, selbstredend, schlechten Arbeitsbedingungen? Papperlapapp: Von den 25 qualitativ miserabelsten Jobs, etwa auf dem Arbeitsmarkt in den USA, sind 24 reine Männerjobs. Da steht nirgendwo eine Karriereleiter herum. Bei den allermeisten anderen Jobs auch höchstens eine mit drei dürftigen Sprossen. Aus diesem Grunde gibt es in der internationalen Frauenbewegung auch keine Forderung, nach der 50 Prozent der einzustellenden Müllsortierer oder Geflügeltranchierer weiblich sein sollten. Gleiches gilt für Dachdecker, Schweißer, Gerüstbauer, Holzarbeiter, Lagerarbeiter, Schlachter oder Streifenpolizisten. Die Frauenbewegung schielt mit Quotenforderungen nach oben, zur Leitungsebene, zur Vorstandsetage. Da gibt es was zu gewinnen. Wie wär’s, ungnädig gegengefragt, mit der Hälfte von Kanalreinigung oder Straßenbau? Wahrscheinlich wäre es damit Essig. Da gibt es nichts zu gewinnen.

Wo es nichts zu gewinnen gibt, da werden auch die allermeisten Berufsunfälle erlitten bis hin zur Invalidität. 95 Prozent der tödlich verlaufenden unter ihnen, so aktuelle Zahlen aus den USA, sind »männlich«. Nur noch überboten von einer anderen Ziffer. Wenn Berufe reine Draußenberufe sind, gesteigert in ihrer Appetitlichkeit bis hin zur Kategorie der »Todesberufe« (Marke: Uran-Bergbau oder Personenschützer), dann sind sie zu 100 Prozent »männlich«.

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Paul-Hermann Gruner: »Der Mann als Kulturverlierer«, Darmstädter Echo, Magazin zum Wochenende, 29. April 2000, Zeile 161 – 222

 

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Überarbeitet am 25. Juni 2003