Wenn die deutsche Presseagentur meldet, in Nordindien sei ein überladener Personenzug entgleist, dann lesen und hören wir von 316 Opfern, »darunter auch 54 Frauen und 17 Kinder«. Das sind die Opfer der ersten Kategorie. Einer Hervorhebung wert. Die Opfer der zweiten, der unwichtigen Kategorie, zählen 235. Es sind Männer. Wäre eine solche Agenturmeldung Zufall? Nein. Sie ist Ergebnis von Jahrhunderten so genannter Tradition. Männer opfern ist normal. Und betont einseitig geschärftes Bewusstsein nach 30 Jahren zeitgenössischer Frauenbewegung macht darüberhinaus klar: Männer können gar nicht Opfer sein.

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Paul-Hermann Gruner: »Der Mann als Kulturverlierer«, Darmstädter Echo, Magazin zum Wochenende, 29. April 2000, Zeile 1 – 22

 

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Überarbeitet am 25. Juni 2003