Eine Entgegnung auf Paul-Hermann Gruner

Wir dokumentieren an dieser Stelle die Entgegnung auf den Magazin-Artikel von Paul-Hermann Gruner, die Anita Kastl, damals Mitarbeiterin im Frauenbüro der Stadt Darmstadt, im Mai 2000 verfasst hat. Diese Entgegnung hat sich das Darmstädter Echo geweigert abzudrucken, so dass sie im Jahr 2000 nur die Leserinnen und Leser des Frauenrundbriefes aus dem Frauenbüro erreichte.

Um den Zusammenhang verständlich zu machen, stellen wir auch das eine oder andere Zitat aus dem Gruner’schen Text ein. Der vollständige Artikel – »Der Mann als Kulturverlierer – Wir leben in einer nach beiden Seiten sexistischen Gesellschaft: Die heimlichen Gewinne der Frauen im ›Patriarchat‹«, vom 29. April 2000 – ist erhältlich beim Archiv der Tageszeitung »Darmstädter Echo«.

 

 

11. Mai 2000 – überarbeitet am 14. Januar 2003

Der Mann als Leidensgewinnler
eine Gegenrede – kein Streitgespräch – zu Gruners Aufsatz »Der Mann als Kulturverlierer«
Magazin zum Wochenende am 29. April 2000 im Darmstädter Echo.

»Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht, sich dumm machen zu lassen«, schrieb Adorno in seiner »minima moralia«.

Der genüsslich-lamentierenden, ganzseitigen »Ohnmacht« des Paul-Hermann Gruner im obigen Aufsatz kann diese »fast unlösbare Aufgabe« (im Adorno’schen Sinne) schon deswegen nicht gelingen, weil er als Autor und »Betroffener« auf Leidenslust und auf die ermüdend unschuldige Opferrolle »Mann« nicht verzichten mag. Ebenso wenig wird er auf das Autorenhonorar und auf die zahlende Leserschaft seiner Denk- und Schreibbemühungen verzichten wollen.

Offenbar unbemerkt kommt Gruner damit in die ansteckende Nähe der – von ihm so verstandenen und kritisierten – Leidens»macht« der »Opferfeministinnen« und stellt vexierbildhaft und wortreich die faustische Gretchenfrage: »Wer leidet denn am schönsten am männlichen Prinzip und welches Geschlecht – bitte – ist denn nun am aller-aller-ohnmächtigsten?«

Bedauerlich ist, dass Herr Gruner offenbar nicht erkennt, dass ein Chamäleon die Färbung der Umwelt annimmt, von der es sich nährt.

Ganz nebenbei – und das ist das wirklich Erschreckende – werden durch die Unschärfe seiner Sicht (auf sich selbst und auf »Opfer« seiner Art) die realen Leiden der Individuen übergangen, die – im Laufe der Geschichte umd im Laufe ihres Lebens – tatsächlich Opfer von Gewalttaten, Verbrechen, Unrecht, Unterdrückung, Ausbeutung, Ignoranz und Wegsehen geworden sind.

Wie schafft er das?

Schauen wir uns an, welche Thesen Gruner vertritt und wie er bei seinem Parforceritt durch die Geschichte und durch die große, weite Welt die schnöde Wirklichkeit in seiner unmittelbaren und aktuellen Nähe übersieht.
 
Bezeichnenderweise eröffnet er seinen Aufsatz über den »Kulturverlierer Mann« und »die heimlichen Gewinne der Frauen im Patriarchat« mit den Berichtsgepflogenheiten seiner eigenen Journalistenzunft.

Der Tod von 316 Menschen in Nordindien ist (insgesamt) zu betrauern und darunter sind 54 Frauen und 17 Kinder.

Wie kommt Gruner nur dazu, die weiblichen und kindlichen Unfallopfer unter den Unfallopfern als die erste, hervorgehobene Kategorie zu bezeichnen?
Wieso glaubt er hier, dass Männer opfern normal ist, wo die hierarchische Berichtsfolge über einen Zugunfall (»316 Opfer«) und die nachfolgende Denk- und Schreibweise doch verdeutlicht, dass 71 Unfallopfer (nämlich Frauen und Kinder) scheinbar Sonderarten sind, die unter den bedauernswerten Toten – und nicht etwa dabei – waren? [ vergleiche Gruner, Zeile 1 – 22 ]

Welchen »heimlichen Gewinn« hatten diese toten Frauen und Kinder denn neben dem Verlust ihres Lebens?

Geht es hier nicht vielmehr um die (un-)heimlichen Gewinne der Zeitungsmacher und der Berichterstatter und um die durch Katastrophenmeldungen »angereicherte« Angstlust sowie die Befriedigung der Reiz- und / oder Schreckensbedürfnisse bei vielen Lesern und Leserinnen?

Nach dem Zugunfall von Eschede im Juni 1998 könnte man doch auch fragen, wer war denn veratnwortlich für die Unfallursache(n) und den vielleicht vermeidbaren Tod von 101 Menschen? Möglicherweise wären dann ja wieder die leitenden (und nicht die leidenden) Männer in der ersten und hervorgehobenen Menschenkategorie.

»Cui bono, wem nützt es?«, diese Frage von Herrn Gruner (einige Zeilen unter der Eröffnung seines Aufsatzes) wirkt zurück und wirft ein Schlaglicht auf viele Honorar-Zeilen seines eigenen Berufssstandes. Wie kommt er nur dazu, von dieser traditionellen Art der Berichterstattung und -honorierung auf den Bewusstseinsstand der 30-jährigen, zeitgenössischen Frauenbewegung zu schließen, die höchstens in ihrem unreflektiertesten Flügel den »reinen« Opferstatus für Frauen generalisiert.

Werden Männer für ihre Taten von der Verantwortungsübernahme befreit, wenn Frauen die ihnen zugewiesene Opferrolle ablehnen und die Verantwortung für ihr historisches und gesellschaftliches (Mit-)Tun übernehmen?

Aber sehen wir weiter, wie Herr Gruner mit der Hilfe von »Stich«-Worten die Verantwortlichen und die äußere Realtität aus den Augen verliert.

 

Stichwort Verbrechen: Als Vertreter der sogenannten »vierten Gewalt« (Presse) hat Herr Gruner hier die jungen, männlichen Opfer zwischen 15 und 40 Jahren in Amerika fokussiert und verliert bezeichnenderweise die wahrscheinlich ebenfalls männlichen Täter völlig aus dem Blick. Seine Aufmerksamkeit richtet sich nämlich dann auf die Titelseite der (amerikanischen) Zeitungsmacher, die sich – wie könnte es anders sein – zur Verkaufssteigerung ihrer Produkte eines weiblichen Konterfeis (oder Körpers) bedienen. Wer ist denn verantwortlich für die beklagten Verbrechen? Wer hat denn die Entscheidung für das »Deckblatt« getroffen? Und welches andere Titelbild würde denn Gruners Interesse »erregen«?[ vergleiche Gruner, Zeile 66 – 90 ]

 

Stichwort Dienstmagd Frau: Dass die 52 –54 Prozent der weiblichen Wahlberechtigten in einer Männerdemokratie meist nur die Wahl zwischen Herrn X und Herrn Y haben und mehrheitlich die Verantwortung für Haus-, Familien- und Erziehungsarbeiten übernehmen, liegt sicher daran, dass sich lediglich ca. 1,7 Prozent der überwiegend besser verdienenden Väter für einen Erziehungs»urlaub« entscheiden. Soviel zum »Privileg« weiblicher / mütterlicher und zur Realtität männlicher / väterlicher aktiver und passiver Wahlfreiheit.

Dass Gruner sich darüber aufregt, die Kinder der »Sklavin« (seine!) auch noch bezahlen zu müssen, ignoriert schlicht seine faktische Zeugungs-Wahlfreiheit, und dass es in aller Regel nicht nur eine anwesende, unbezahlte Mutter, sondern auch einen abwesenden, erwerbsfähigen Vater (d.h. zwei verantwortliche Elternteile) gibt. Brüche in der Berufsbiografie, in den Erwerbschancen und Einbußen in den Rentenanwartschaften haben also (s.o.) nur zu einem geringen Teil die Väter, aber ca. 98 Prozent der Mütter.

Es ist einfach der Modernität geschuldet, dass Untertanen nicht mehr ihre Könige finanzieren. Dass die Zeit der Monarchie glücklicherweise vorüber ist, mag Herr Gruner persönlich bedauern, mit seinem Hinweis auf die demokratischen Wahlmöglichkeiten der Frauen reflektiert er aber immerhin die Neuzeit. Möglicherweise ist er – nach dem Soziologen Beck – unter die Modernisierungsverlierer der »Risikogesellschaft« geraten. Wäre dem so, lässt ihn Beck im gleichnamigen Buch (»Risikogesellschaft«) wissen, dass Frauen, die sich auf das Mütter- und / oder Hausfrauenmodell eingelassen haben »einen Mann weit von der Armut entfernt sind«.
(Wir kennen – anders als die Skandalpresse – keine einzige Frau, die nach Trennung oder Scheidung wirtschaftlich reich und privilegiert wurde, die es nicht schon vor ihrer Heirat war. Und wir kennen viele Frauen.)

Zeitweise »die warme Seite« des Lebens zu »wählen« (Gruner), ist ganz offenbar von den Männern nicht gewollt (ca. 1,7 Prozent!) und sie bedeutet für viele Frauen, sich der kalten Zugluft emotional »erkalteter« Partner auszusetzen, die ja »draußen im Lande« die Regeln der Arbeitswelt (nach Gruner: »Mobbing im Büro, Hackordnung auf der Baustelle«) verantwortlich und in Leitungsfunktionen herstellen und / oder dulden und diese Regeln meist nicht an der Haustür abschütteln. Außerdem bleiben die berufstätigen Frauen in der Bundesrepublik von diesen Spielregeln der Macht, Niedertracht und Gleichgültigkeit nicht verschont – viele spielen sogar mit. [ vergleiche Gruner, Zeile 91 – 160 ]

 

Stichwort Arbeit: Hier schnappt sich Herr Gruner ein Häppchen aus der populären Frauenliteratur der 70er Jahre, um es – unverdaut und unverstanden – auszuspucken. Es kann doch nicht wahr sein, dass er oben (Wahlmöglichkeiten der Frauen in der Männerdemokratie) beklagt, was er hier auf Ewigkeiten festschreiben möchte. Na klar, sollen entsprechend qualifizierte Frauen auf Leitungsebenen und in die Vorstandsetagen – wohin denn sonst?

Dass Herr Gruner überhaupt nur die Männer in der »niederen« Erwerbswelt und in der Öffentlichkeit für seine Sicht der Dinge heranzieht, erscheint als Mittel der Ablenkung von seinem eigenen (privilegierten) beruflichen Standort und offenbart die wirre Unklarheit, seinen persönlichen Standort zu benennen. Man nimmt ihm das ja schon fast nicht mehr übel. Dass er aber konsequenterweise bei seinem Blick auf die gering bezahlten und geschätzten Berufsgruppen die vielen von Fußboden und Popo putzenden bezahlten und unbezahlten weiblichen Pflegepersonen übersieht, rächt sich möglicherweise erst dann, wenn er einen schwerkranken oder sterbenden, erwachsenen Freund oder Angehörigen versorgen müsste. Vielleicht schafft er es aber auch dann noch, nichts zu hören und zu sehen.

Wie gesagt, Herr Gruner sieht nur, was sich »draußen« ereignet, was sich hinter Türen und hinter erwachsenen menschlichen Köpfen und in, unter und zwischen deren Körpern abspielt, verschließt sich seiner »schamhaften« Realitätsbeschreibung. [ vergleiche Gruner, Zeile 161 – 222 ]

 

Stichwort Militär: Wir wissen nicht, aus welchem Kontext Gruner das Brownmiller’sche Zitat gerissen hat, aber wir wissen ganz sicher, dass das von ihm herbeigerufene russische Kastensystem der Herrschaft der Älteren über die Jüngeren in der Armee ein reines Männersystem ist, das erst durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes anno 2000 für die Bundesrepublik in Frage gestellt wurde. Hier lässt sich wohl am pointiertesten zeigen, wessen »Kultur« es ist, in der Herr Gruner seine männlichen »Kulturverlierer« sucht und findet.

Wer hat denn »alle gesellschaftlichen Aggressions-, Gewalt- und Schutzaufgaben an die Männer delegiert«? War das die verschwindend geringe Anzahl von Frauen in Machtfunktionen, die Frauen in den Leitungs- und Vorstandsetagen? Und warum verweigern sich denn die jungen Männer nicht dem sexistischen und sado-masochistischen (Selbst-)Zerstörungswerk der »alten« tonangebenden Männer? Wozu nützt ihnen denn ihr Mitmachen und was versprechen sie sich den häufig anderes davon, als möglichst schnell deren Platz einnehmen zu können?

Wie Gruner Aggressions-, Gewalt- und Schutz»aufgaben« der Männer umstandslos und völlig ahistorisch, apolitisch und undifferenziert zusammenbinden kann, ist uns ein Rätsel. In den seltensten Fällen dient Aggression und Gewalt dem Schutz von Frauen. Einmal schützen sich doch eher die Männer vor gewaltsamen männlichen Angriffen und zum anderen wurde durch den Mythos des männlichen Beschützers lediglich die Fiktion hergestellt, Frauen seien auf Wehr und Waffen der Männer angewiesen.

Fragen wir doch mal die Frauen, die sich auf diesen männlichen Schutz verlassen haben, wie sehr sie sich von ihren nächsten Lebenspartnern, von ihren Kolllegen, von der Armee vor Schädigungen, Entwürdigungen, Demütigungen, Kränkungen und Verletzungen geschützt fühlen und wie die Beschützer »ihren Schutz« konkret gestalten. [ vergleiche Gruner, Zeile 225 – 296 ]

 

Stichwort Suizid: Suizid ist keine Lösung von Problemen, sondern vielmehr Ausdruck großen seelischen Schmerzes, der Depression, der Resignation, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Aus der klinischen Arbeit ist bekannt, dass ein Selbstmord, der keine Kurzschlusshandlung ist, meist erst dann ausgeführt werden kann, wenn es dem Patienten »besser« geht und die Depression in Aggression (Passivität in Aktivität) umschlägt, die sich dann destruktiv gegen das eigene Selbst wendet. Der Suizid eines Patienten oder einer Patientin bringt die behandelnden Ärzte / Ärztinnen und Therapeuten / Therapeutinnen immer an die Grenzen ihrer Heilkunst und verursacht nichts als Trauer.

Erst das individuelle Schicksal, die ganz persönliche, konkrete Leidensgeschichte erlaubt den Versuch einer Entschlüsselung des »Rätsels« Freitod.

Wir halten es für unseriös und dreist, wenn Gruner für eigene Anklagen an den Feminismus, die Feministinnen oder wen auch immer, abstrakte Freitod-Täter-Opfer zur argumentativen Hilfe nimmt. Mehr Sorgfalt, mehr Takt, mehr Einfühlung, mehr Mitmenschlichkeit und weniger Selbstmitleid könnten ein Weg sein, mit dem es Herrn Gruner vielleicht gelingt, zur Durchsetzung von Machtbedürfnissen und zur Formulierung unwissenschaftlicher Vorwürfe andere, hilfsbedürftige Menschen aus dem Spiel zu lassen. [ vergleiche Gruner, Zeile 308 – 355 ]

 

Stichwort Lebensalter: So ärgerlich es für die Todeswünsche mancher Männer auch ist, die Statistik belegt, dass (ihre) Frauen – zumindest auf dem Papier – älter als sie selbst werden.
Die genaue Untersuchung der »reinen« Zahlen spricht eine deutlichere Sprache: Männer scheiden aus vielschichtigen Gründen früher (viele sehr früh) aus dem Leben, weil sie ein höheres Risiko- und Gewaltverhalten gegen sich selbst und andere haben als Frauen. Sie verursachen und erleiden (besonders in jungen Jahren) mehr tödliche Unfälle und Verbrechen; sie scheren sich weniger um Gefahrensignale aus ihrer eigenen Innenwelt und der (nächsten) Umwelt; sie vernachlässigen (bei aller persiflierten Wehleidigkeit) ihre Gesundheit; sie meiden Personenbindungen und nutzen die Bindung an Suchtstoffe (Alkohol und andere »Drogen«); sie sind häufig (gewiss durch allzu lange Herrschaft) gedanklich unflexibel und können nicht wie (ihre) Frauen »Weiterungen und Ergänzungen ihrer Lebensoptionen« (Gruner) erkennen und konstruktiv nutzen. Oft überdehnen Männer ihre Macht- und Glücksansprüche in die Maß- und Grenzenlosigkeit, ohne zu reflektieren, dass persönliche Macht und dominante Rechthaberei ein glückliches Gelingen des menschlichen Lebens in Beziehung zu Anderen ausschließt. [ vergleiche Gruner, Zeile 356 – 402 ]

Kurz gesagt, was Gruner als Ausdruck von Machtlosigkeit versteht, ist Erstarrung, ist gedankliche und emotionale Einengung, ist mit aller Vorsicht gesagt: ein Ausdruck von Destruktivität und larmoyantem, selbstgefälligen Genöle ohne konstruktives Konzept.

 

Stichwort Armut und Obdachlosigkeit: Natürlich gibt es – nach Gruners Definition und Wortwahl – nicht nur männliche, sondern auch weibliche »Versager«, die sich zu wohnsitzlosen Männern hinzugesellen. Warum auch nicht? Alle Torheiten, die von Männern begangen werden, können Frauen auch – wie wir wissen.

Irgendwie scheinen sich Gruners Bilder von dem besseren Menschen »Frau« (die die Welt wärmen und retten soll, wenn sich nicht eine ausgewiesene Feministin ist – denn die ist schlecht oder blockiert) und dem »armen« Menschen Mann (dem die Welt eigentlich »naturgemäß« gehört und der »natürlich« Bescheid weiß, wenn er kein »Versager« ist) permanent zu überlagern und zu verschwimmen. Allein das Lesen seines Aufsatzes erzeugt uns Schwindel(gefühle). [ vergleiche Gruner, Zeile 403 – 415 ]

Schön und langweilig wär’s ja, wenn die soziale Wirklichkeit so einfach aussähe; aber dem ist leider – oder Gott sei Dank – nicht so. Zudem ist Gruners »Kopfgeburt« vom beiderseitigen Sexismus eindeutig kontraproduktiv. Das Gute und das Böse ist nicht auf unterschiedliche Geschlechter verteilt, sondern tritt in geschlechtsunabhängigen Mischungen und Charakteren auf, die uns den genauen Blick auf das Verhalten und Tun konkreter Personen und das Nachdenken darüber nicht ersparen können.

Wir können uns nicht erinnern, dass die den Feminismus nährende Frauen(er)forschung ein patriarchales »System der Täuschung« (Gruner) errichtet hätte, vielmehr sind die meisten Feministinnen sehr (selbst-)kritisch und versuchen – »jenseits der Illusionen« – gerade keine neuen Denkblockaden zu errichten. Für Denkblockaden und Entwicklungshilfen zur männlichen Selbstdefinition und Selbsterkenntnis fühlen sich viele Frauen – nach jahrhunderte- bzw. lebenslangem »Warten auf Godot« – nicht mehr verantwortlich. Schön wäre ja, wenn sich der »Kulturverlierer Mann« auf eine kritische Selbstbegegnung und auf eine nachfolgende Begegnung mit einem gleichwertigen weiblichen Gegenüber einließe.

Für Herrn Gruner ist das sicher noch ein weiter Weg, bis er bei sich selbst und seinem falschen Wissen ankommt. Die Stimme der Vernunft ist leise …

Wir möchten diesen Weg weder schweigend noch streitend mit ihm gehen.

Anita Kastl

 

Überarbeitet am 25. Juni 2003.

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